GESCHICHTE DES TÜRKFILMFESTIVALI MANNHEIM

Beim Internationalen Filmfestival Berlin 1963 bekam Metin Erksan (sein Film “Yilanlarin Öcü / Die Rache der Schlange“ lief 2011 beim TFF) für seinen Film Susuz Yaz den Goldenen Bären. Diese internationale Anerkennung für eine türkische Produktion markierte den Auftakt für die Renaissance des Türkischen Films. Es vergingen fast weitere zwanzig Jahre bis das türkische Kino zum nächsten Höhenflug ansetzte, um sich in den Herzen des internationalen Publikums einen festen Platz zu sichern.

Bei der 29. Internationalen Filmwoche Mannheim im Jahr 1980 wurde Ali Özgentürk (Festivalgast mit seinem Film „Çıplak“ beim TFF1995) für seinem ersten Film „Hazal“ von der internationalen Jury mit dem Mannheimer Filmdukaten ausgezeichnet. Die Hauptrolle spielte die in der Türkei bekannte Schauspielerin Türkan Şoray. Der endgültige Durchbruch war geschafft, als Yilmaz Güney Anfang der 80er Jahre mit seinen sozialkritischen Filmen in epischen Film-Landschaften eine künstlerische Sprache entwickelt hatte, die kaum noch einer Übersetzung bedurften – so einprägsam und selbstredend war seine Ausdrucksform. Es folgten Filme von Erden Kiral (Festivalgast mit seinem Film „Mavi Sürgün“ beim TFF1995) und Zeki Ökten (sein Film „Sürü“ lief beim TFF1996), die sich den Weg in deutsche Kinos und ins deutsche Fernsehen bahnten.

Im Jahre 1987 sollte auch das „Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg“ diese Entwicklung des türkischen Films widerspiegeln. Das Filmfestival unter der künstlerischen Leitung von Fee Vaillant hatte ein integratives Kooperationskonzept mit Kanber Altintas vom deutsch-türkischen Kulturzentrum Mannheim entwickelt und die „1.Türkische Filmreihe“ in Mannheim aus der Taufe gehoben. Dabei wurden erstmalig sechs Filme aus der Türkei gezeigt, in deren Anschluss auch Gespräche mit den Regisseuren dieser Filme, Ömer Kavur (Festivalgast TFF1987) und Atif Yilmaz (Gast im Programm SinemaTürkis im dt.-tr. Kulturzentrum MA), möglich gemacht wurden.

Orhan Oguz bekam mit seinem ersten Film „Herseye Ragmen“ ein Jahr später, 1988, von der Internationalen Jury den Großen Preis der Stadt Mannheim verliehen. Orhan Oguz und seine Frau Nuray Oguz (Drehbuchautorin) waren 1989 mit ihrem neuen Film „3. Auge“ Festivalgäste beim TFF).

Die türkische Reihe wuchs zu einem kleinen, aber feinen Programmsegment des Festivals. Seine Fangemeinde rekrutierte sich gleichermaßen aus türkischem und deutschem Publikum aus Mannheim und der Region. Nach fünf Jahren wurde diese organisch gewachsene Reihe 1992 im Rahmen des internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg unter der Leitung Dr. Michael Kötz und Kanber Altintas unter dem Titel TürkFilmFestivali als fester Bestandteil des jährlichen Filmfestivals in Mannheim eingeführt und bis 2003 insgesamt 18 Mal erfolgreich fortgesetzt.

Den Publikumspreis des TürkFilmFestivali erhielt in den darauf folgenden Jahren Tunc Basaran für seinen Film „Piyano Piyano Bacaksiz“ (1992) und Sinan Cetin für seinen ambitionierten Milieufilm „Berlin in Berlin“ (1993). Memduh Ün wurde 1994 mit diesem Preis für seinen Film „Zikkimin Kökü“ geehrt; 1995 war es Osman Sinav für „Yalanci“.

Die Entscheidung der Festivalleitung, das TürkFilmFestivali nach einer 4-jährigen Übergangsphase neu zu beleben und als eigenständiges Festival in der Metropolregion zu positionieren, konnte schließlich 2010 in die Realität umgesetzt werden. Möglich gemacht wurde dieser Schritt durch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, den Schirmherr des Festivals, das Kulturamt der Stadt Mannheim und die FilmCommission MRNsowie die Unterstützung durch das türkische Generalkonsulat in Karlsruhe. Ein besonderer Dank gilt auch unserem Hauptsponsor Mustafa Baklan, dem Vorsitzenden der BAKTAT Unternehmensgruppe, der das TürkFilmFestivali seit Jahren als Hauptsponsor unterstützt.

2011 feierte das TürkFilmFestivali nach 19 Jahren filmischen und kulturpolitischen Engagements in Mannheim sein 20-jähriges Jubiläum. Neben namhaften Persönlichkeiten wie der Ehrenpreisträgerin Hülya Koçyiğit, den Regisseuren Tevfik Başer und Tayfun Pirselimoğlu und den Filmkritiker Atilla Dorsay durften wir auch aufstrebende Filmschaffende wie Özcan Deniz, Büsra Pekin und Mert Firat willkommen heißen. Den Preis der Jury 2011 erhielt Tolga Karaçelik für sein eindrucksvolles Außenseiter-Portrait Gişe Memuru / Die Mautstelle.

Und auch im 22. Veranstaltungsjahr  ein spannendes Festivalprogramm, das 2013 ganz im Zeichen der LIEBE stand und Sie über 10 Tage mit dem aktuellen türkischen Kino verbindete. Die Grundidee des Festivals hat sich seit seiner Entstehung allerdings nicht verändert: einen Ort der Begegnung, der gesellschaftlichen Partizipation und der gegenseitigen kulturellen Bereicherung zu schaffen. Die Neuauflage trägt nicht zuletzt auch der steigenden Popularität des Türkischen Films Rechnung, der auf der internationalen Filmkunst-Bühne und vor allem beim deutschen Publikum zunehmend Beachtung und Anerkennung findet.

Das TürkFilmFestivali  kooperierte 2015  mit dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Wie früher findet es als eine Reihe mit neuen türkischenFilmen statt.

Gezielt haben wir die Filme unter dem Gesichtspunkt ausgewählt, dass sie sowohl den türkisch-stämmigen Bürgerinnen und Bürgern von Mannheim, Heidelberg und der Region ein Wiedersehen mit der eigenen Kultur und ihren aktuellen Fragen ermöglicht als auch zugleich allen anderen Festivalbesuchern eine spannende kinematografische Reise in die Türkei.

Wir freuen uns immer auf Ihren Besuch!

Filme aus der Türkei

Ömer Kavur

Atıf Yılmaz